Ethik

Mein Ansatz in der normativen Ethik ist stark durch einen Kantischen Konstruktivismus, aber auch durch die pragmatistische Ethik John Deweys und durch verantwortungsethische Ansätze geprägt – drei Traditionen, die nicht immer leicht zu vereinen sind.

Dem Kantischen Konstruktivismus schulde ich die Überzeugung, dass es  unhintergehbare Voraussetzungen moralischer Urteile gibt (Würde, Selbstachtung, Gleichberücksichtigung), die aber kontextsensitiv entfaltet werden müssen.

John Deweys Ethik entnehme ich die experimentelle Offenheit und den Grundsatz, dass es in der Ethik darum geht, Probleme zu lösen und Grundlagen einer gemeinsamen Handlungsfähigkeit zu finden.

Der Verantwortungsethik verdanke ich schließlich die Einsicht, dass moralische Prinzipien in reale Verantwortungsverhältnisse übersetzt werden müssen, dass es also ohne responsiven Adressaten keine sinnvollen moralischen Forderungen geben kann.

Der vereinende Gedanke ist im Grunde der,  dass eine gute normative Ethik in Reaktion auf die besonderen Probleme und Notwendigkeiten konstruiert werden muss, die Gegenstand der angewandten Ethik sind

In der angewandten Ethik bearbeite ich vor allem Fragen der globalen Ethik.

Damit ist dreierlei gemeint.

Erstens beanspruchen moralische Grundsätze, Werte und Rechtfertigungsmethoden, allgemein (=global) gültig, akzeptabel oder begrüßenswert zu sein. Globale Ethik hat es in diesem Sinne mit der Explikation geteilter Wertvorstellungen oder auch mit der Rekonstruktion einer allgemeinmenschlichen Minimalmoral zu tun.

Zweitens ist die globale Ethik ein Teilbereich der globalen und globalisierten Philosophie. Es geht darum, kulturell divergierende Moralauffassungen miteinander ins Gespräch zu bringen.

Drittens ist der Gegenstandsbereich globaler Ethik durch Probleme und Risiken bestimmt, die wir in unserer globalisierten Welt über Grenzen und Identitäten hinweg teilen und die wir deshalb nur  gemeinsam als Menschheit bewältigen können:

„The key claim here is that globalization – the increasing interdependence of global society economically, socially, culturally, and politically – has created truly global dilemmas that require global solutions. Global ethics, then, is the response to these new dilemmas.“ (Widdows, Global Ethics 2014, 5)

Entsprechend lässt sich die globale Ethik in unterschiedliche Bereichsethiken untergliedern:

Die Weltarmuts- und Entwicklungsethik setzt sich mit globalen Armuts- und Ungleichheitsproblemen auseinander; die Migrationsethik beschäftigt sich mit den Dilemmata globaler Migrationsströme (Brain Drain, Human Trafficking, Asylrecht, Recht auf Ausschluss und Bewegungsfreiheit); die Umwelt- und Klimaethik adressiert Probleme, die durch grenz- und generationenüberschreitende Risiken der Umweltverschmutzung, Ressourcenausbeutung und Klimaerwärmung entstehen; die Konsumenten- und Wirtschaftsethik hat globale Auswirkungen von unfairem Handel, Unternehmensmacht und Ausbeutung zum Gegenstand; die Friedens- und Konfliktethik setzt sich mit den besonderen Herausforderungen des globalen Terrorismus und assymetrischer Konflikte im 21. Jahrhundert auseinander und diskutiert Fragen der globalen Sicherheitsarchitektur und Schutzverantwortung, etc.